
INGRID CAVEN – Die Muse
« (…) Sag nur die Wahrheit, so lernte ich lügen. Liebe die Menschen, so lernte ich betrügen.»
«Wegen Daniel mussten wir immer nach Flims. Dann mussten wir auf diesen Berg hinauf, auch bei Nebel und Gewitter. » Ingrid Caven
Ingrid Caven war für Daniel Schmid Zeit seines Lebens seine Muse, seine Sarah Bernhardt, seine Marlene Dietrich. Schmid und Caven verband eine innige Freundschaft, bei der offensichtlich stets eine Prise Ironie mitschwang.
Ingrid Caven wird im August 1938 als Ingrid Schmidt in Saarbrücken geboren. Rainer Werner Fassbinder entdeckt sie in einem Münchner Varieté. Sie spielt in zahlreichen seiner Filme, von 1970 bis 1972 sind sie verheiratet. Später wirkt Caven in knapp 50 Spiel- und Fernsehfilmen mit, neben Fassbinder und Schmid auch unter der Regie von Werner Schroeter, Dani Levi und anderen. In den 1970er Jahren feiert sie als Chanson-Sängerin grosse Bühnenerfolge, besonders in Frankreich, wo Caven gelegentlich als eine Mischung aus Edith Piaf und Marlene Dietrich beschrieben wird. Ihren ersten Auftritt im Pariser Varieté Pigalle inszeniert Daniel Schmid. In fünf von Schmids Filmen erhält Ingrid Caven eine zentrale Rolle. Ihre Darstellung der LA PALOMA im gleichnamigen Film bleibt unvergessen. Für Daniel Schmids Spiel mit der romantischen Trinität von Liebe, Traum und Tod ist sie die Idealbesetzung. Heute lebt Ingrid Caven in Paris.
Mehr Informationen unter www.ingridcaven.info

WERNER SCHROETER – Der Freund aus Berliner, Münchner und Pariser Zeiten
« (…) es verwandeln sich dann diese Elemente zu etwas ganz Neuem, was nicht nur ironische Distanz hat, sondern auch diese Distanz wieder überwindet, in einer Art doppeltem Salto und eine neue Ausdruckskraft gewinnt. » Werner Schroeter
Die Freunde Daniel Schmid und Werner Schroeter verband die gemeinsame Leidenschaft für die Oper und beide liebten sie den Stummfilm des deutschen Expressionismus. Während ihrer Zeit in München lebten sie mit Ingrid Caven in einer Wohngemeinschaft.
Werner Schroeter wird 1945 geboren und wächst in Bielefeld und Heidelberg auf. Im Alter von fünf Jahren äussert er bereits den Wunsch, Filmregisseur zu werden. Ein für ihn einschneidendes Erlebnis im Alter von dreizehn Jahren ist die Radioübertragung einer Opernarie von Maria Callas, die ihn zum ersten Mal mit dem Thema Oper in Berührung bringt. Ende der 1960er Jahre bringt sich Schroeter das Filmemachen selbst bei und realisierte erste Experimentalfilme auf 8mm- und 16mm-Format. Ersten Erfolg hatte er 1969 mit dem Experimentalfilm EIKA KATAPPA. Seit 1972 erarbeitet Schroeter regelmässig Theater- und Operninszenierungen in deutschen Städten, aber auch an ausländischen Theatern in Paris, Brasilien und Italien.
Mehr Informationen unter www.werner-schroeter.com

BULLE OGIER – Die Freundin aus der Pariser zeit
« Daniel était pas du tout autodestructeur, par exemple comme Fassbinder.Dans sa vie il avait quand même ses règles. De pas partir dans des chemins trop dangereux. Il retombait toujours sur ses pieds. Il venait des montagnes. C’était un montagnard suisse, (…). » Bulle Ogier
1974 zieht Daniel Schmid zusammen mit seinem langjährigen Art Director Raúl Gimenez – seiner ersten grossen Liebe – in Ogiers ehemaliger Pariser Wohnung an der Rue Grenelle ein. Bulle Ogier spielte 1981 die Hauptrolle in Daniel Schmids NOTRE-DAME DE LA CROISETTE.
Ogier, die französische Theater- und Filmschauspielern wird im August 1939 in Boulogne- Billancourt in Frankreich geboren. Sie erlangt Bekanntheit als Mitbegründerin des ersten Pariser Café-Théâtre sowie als Darstellerin in Filmen von Jacques Rivette oder Luis Buñuel.

RENATO BERTA – Der Bruder im Blick
« Il vivait toujours dans un univers très riche en fantaisies très riche en idées, (…) infaisables au niveau du cinéma. Mais c’est vrai que pour lui il n’y avait rien qui était infaisable! » Renato Berta
«Ciccio», wie Renato Berta von seinen Freunden genannt wird, ist vielleicht der renommierteste Kameramann der Schweizer Filmgeschichte. Den Kosenamen hat ihm seine Mutter mit auf den Weg gegeben. Berta wird als offener, humorvoller Mann beschrieben, und wenn man erlebt, mit welcher Verve er sich an Podien mit Filmstudenten unterhält, spürt man, wie sehr ihm das Kino am Herzen liegt.
Berta wird 1945 in Bellinzona geboren. Nach einer Ausbildung als Mechaniker studiert er ab 1966 Kamera am Centro Sperimentale in Rom. Ab 1968 arbeitet Berta als freier Kameramann in der Schweiz, unter anderem für Tanner. Über die Romandie führt ihn sein Weg nach Paris, wo er noch immer wohnt. Es kommt zu Zusammenarbeiten mit Regiegrössen wie Jean-Luc Godard, Alain Resnais oder Amos Gitai. «Nicht ich mache das Bild, sondern der Regisseur», sagt Berta 2001 gegenüber den Cahiers du Cinéma. Ihn interessiert vor allem wie das Licht und der Bildausschnitt – in seinen Augen eine untrennbare Einheit – sich gemeinsam in eine Gesamtbewegung einschreiben müssen, um das vom Cineasten erhoffte Resultat zu erreichen.
Seine Zusammenarbeit mit Daniel Schmid beginnt 1972 mit HEUTE NACHT ODER NIE und dauerte bis zu Schmids letztem vollendeten Werk BERESINA ODER DIE LETZTEN TAGE DER SCHWEIZ.
Auszeichnungen: Bronze Leopard Locarno 1976, César 1988, Marburger Kamerapreis 2008, u.v.a.

PROFESSOR SHIGUÉHIKO HASUMI – Der japanische Freund und Filmpublizist
« Die Psyche nicht auszudrücken – da diese im Herz ist: Das sind die Filme von Daniel Schmid. » Shiguéhiko Hasumi
Shiguéhiko Hasumi wird 1936 in Tokyo geboren. Er studiert Literatur an der Universität Tokyo, daraufhin promoviert er in Paris. Seit 1973 lehrt er französische Literatur in Japan. Im April 1997 wird er zum Direktor der Universität von Tokyo gewählt. Hasumi wird zu einem der führenden Intellektuellen Japans. Als weltweit anerkannter Spezialist für das Werk Gustave Flauberts trägt er massgeblich zur Rezeption der Werke Deleuzes, Derridas und Foucaults in Japan bei. Er veröffentlicht zahlreiche Filmpublikationen. Er initiierte eine Retrospektive von Daniel Schmids Werk in Tokyo:
«Es war die erste Gesamtretrospektive eines europäischen Regisseurs in Japan. Man wollte etwas «Fremdes» zeigen. Glücklicherweise. Man hatte die japanische, verschlossene Identität etwas satt. Der Auftritt von Schmid war sehr eindrucksvoll. Er ist nicht nur ein Filmregisseur, sondern ein Regisseur des Lebens, er organisierte um sich eine Form der Sympathie.»
Prof. Shiguéhiko Hasumi über Daniel Schmid: Le Cinéma ou l’Ecriture de la Séduction, Editions Teju-Sha, Tokyo 1984.
Prof. Shiguéhiko Hasumi über Daniel Schmid: A la recherche de la lumière,
Editions Teju-Sha, Tokyo 1991