Die DVD zu «Daniel Schmid – Le chat qui pense» enthält:

– 80-seitiges, bildreiches booklet
– Hauptfilm mit optionalen deutschen, englischen, französischen oder italienischen Untertiteln
– 120 Minuten Zusatzmaterial (Entfallene Szenen, für die DVD neu geschnittene Filmclips,
zusätzliche Interviews*, Daniel Schmids Studentenfilm “Miriam”, etc.)
– Technische Daten: 16:9, Audio 2.0 und 5.1, DVD 9 PAL, Code free

* mit allen Protagonisten, die im Film auftreten und ausserdem Interviews mit Martin Suter, Dino Simonett, Freddy Buache, Christian Schwarz, Gerd Conradt und Brida von Castelberg.

Die DVD kann hier bestellt werden: www.tcfilm.ch


DVD Rezension von Alexandra Stäheli, Neue Zürcher Zeitung, 3. Mai 2011
Das Kind in uns

Er pendle zwischen den Dingen hin und her, ohne sich je für eine Seite zu entscheiden, sagt Shiguehiko Hasumi über seinen Freund, den Filmemacher Daniel Schmid. Und vielleicht ist dies auch das Grundlegendste überhaupt, was man über den Schweizer Regisseur mit internationaler Reputation sagen kann: dass er Extreme auslotet und eine eigene, immer wieder überraschende Verbindung sucht zwischen Kunst und Politik, Pathos und Klischee, Mystizismus und Banalität, Bergwelt und Urbanismus. Dies grazile Vermitteln zwischen den Polen schimmert im Porträt der ZHdK-Abgänger Pascal Hofmann und Benny Jaberg immer wieder durch, die mit «Daniel Schmid – Le chat qui pense» eine kongeniale Werkbiografie des Filmemachers geschaffen haben. Zunächst planten die Filmstudenten ein gemeinsames Projekt mit Schmid, doch als der vom Krebs schon lange Gezeichnete seinem Leiden erlag, verdichtete sich die ursprüngliche Idee zu einer postumen Hommage, die die Eigenheit von Schmids Schaffen in einem poetischen, zuweilen fast etwas wilden Bildrausch nachvollzieht. Dabei wollen Hofmann und Jaberg das Leben und Werk des Regisseurs nicht mit grossflächigen Thesen belegen, nur in seltenen Momenten wie etwa in Hasumis Statement blitzen solche Versuche auf – oder auch in der Bemerkung der beiden Dokumentarfilmer, dass Schmids älteste vollendete Filmarbeit, der an der dffb entstandene Studentenfilm «Miriam», schon das gesamte spätere Werk vorwegnehme. Dieser bisher nicht greifbare elfminütige Schwarz-Weiss-Spielfilm ist nun auf dem Bonustrack der wundervoll gestalteten DVD-Edition von «Daniel Schmid – Le chat qui pense» enthalten, zusammen mit einer ganzen Reihe zusätzlicher Statements von Schmids Freunden (etwa Bulle Ogier, Ingrid Caven, Renato Berta) – und mit einem von vielen privaten Fotos gesäumtem Booklet. «Miriam» erzählt von einem süssen, naseweisen kleinen Mädchen, das plötzlich einer älteren Dame vor dem Eingang zum Kino erscheint und sie um ein Eintrittsticket bittet. Die verwunderte Dame, die ebenfalls Miriam heisst, scheucht das Mädchen weg, aber kurze Zeit später klingelt das Kind an ihrer Wohnungstür und ist fest entschlossen, sich in ihr Leben einzunisten. Was zunächst wie eine Horrorstory à la «Das Omen» anmutet, kann auf einen zweiten Blick auch als Begegnung mit einem unbewältigten Aspekt, einer Art Geist aus der eigenen Vergangenheit gelesen werden – eine Interpretation, die dann doch wieder einen Bogen über Daniel Schmids Leben und Werk legen würde; denn der Filmemacher hat in seinen späteren Jahren einmal festgehalten: «Wir müssen das Kind in uns allen schützen» – eine Erkenntnis, die wie ein guter Schatten auch seine kindliche Hotelphantasie «Hors Saison» (1992) begleitet.


Le chat qui pense DVD Edition 01

Le chat qui pense DVD Edition 02

Le chat qui pense DVD Edition 03

Le chat qui pense DVD Edition 04